Nochmal: Gedopte Musiker

Heute habe ich entdeckt, dass es vor kurzem einen kurzen Artikel im Focus über das auch hier bereits thematisierte Problem des »Dopings« bei Musikern gab. Dort werden ein paar interessante Zahlen genannt:

  • - 50 % der deutschen Orchestermusiker leiden unter Auftrittsangst, die über normales Lampenfieber hinausgeht. Speziell Stimmführer und Solisten sind gefährdet.
  • - Ein Drittel bekämpft die Angst mit Alkohol und Betablockern.
  • - 20% sind über das Ausmaß der eingenommenen Mittel besorgt.

Focus Nr. 15/2008, S. 68.

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Wozu das Theater? II

Auch Gerhard Stadelmeier beschäftigt sich mit dem Theater, dass nicht mehr an sich selbst glaubt, allerdings ungleich ausführlicher und eloquenter, als ich es im vorgestrigen Eintrag getan habe. Er stellt fest:

Das Theater scheint in der panischen Angst, etwas in der Wirklichkeit draußen zu verpassen, in diesen Tagen hektisch vor sich selbst davonzulaufen.

und meint damit Theaterprojekte und -performances, die nach draußen zu den »normalen Menschen« gehen: in die Straßenbahnen, Krankenhäuser, Gefängnisse, Warenlager, Gewächshäuser etc.

So kam es, dass vor lauter Ersatz das Theater und sein ureigenstes, dramatisches Material langsam, aber sicher unter den Einfallshänden der Theatermacher sich verdünnisierte, ja vielerorts bis zur Unkenntlichkeit verschwand.

Was dazu führe, dass die Theatermacher nur noch sie selbst sein können und die Angst vor dem Spiel immer größer werde.

So wird etwas Altes, Fremdes, an Möglichkeiten eigentlich Unausschöpfbares, Überreiches nicht erobert, man macht sich nicht zu ihm auf wie zu einer Expedition ins tolle Ungewisse. (…) Man gönnt ihm keine Geschichte, keine Bezüge, keine Biographie, keine Abenteuer, keine Wunden, Narben, Würden und Schmerzen, die es auf seinen Fahrten und Stürzen durch die Zeiten erfahren hätte.

Womit auch klar wäre, was Stadelmaier ohne es so explizit zu sagen für die bessere Alternative hält: das Theater als Museum, das es sowieso längst schon ist. Alles andere ist nur die verzweifelte Ignoranz des Unausweichlichen.

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Wozu das Theater?

Anhand einiger aktueller Ereignisse bricht wieder einmal die Frage nach Sinn und Zweck des Theaters auf. Das eine ist der Rücktritt Wolfgang Wagners und die daraus resultierende Frage, was seine Nachfolgerinnnen eigentlich können und leisten sollen. Peymanns bereits verlinkter Einwurf in dieser Sache war eher unterhaltsam als fundiert, aber auch die gelehrigeren Überlegungen zu dieser Frage bleiben unterm Strich ergebnislos.

Auch das aktuell stattfindende Theatertreffen, sozusagen als Leistungsschau der deutschen Theater, ist so ein Ereignis. Mit »Die Erscheinungen der Martha Rubin« des Performance-Duos Signa erregte dabei bezeichnenderweise eine 8-Tage-Performance Aufsehen, die scheinbar das Theater als Medium in Frage stellt und damit, gewollt oder nicht, die Frage aufwirft, ob sich im herkömmlichen Theater überhaupt Innovatives, Heutiges sagen lässt. Ansonsten die bekannten Größen: Gosch, Petras, Ostermaier, Thalheimer, Marthaler usw.

Und Klaus Bachler, der im Sommer die Intendanz der Bayerischen Staatsoper antritt, gab seine Ziele bekannt: Die Oper zur Nummer eins in Deutschland und zu einer der »Big Five« der Welt zu machen. So formuliert, klingt das eher nach sportlichem, als nach künstlerischem Ehrgeiz. Insofern wundert es aber nicht, wenn Bachler auf Regisseure aus dem Schauspielbereich setzt: Martin Kusej, Barbara Frey, Andreas Kriegenburg. Schließlich kommt er selbst auch aus dem Schauspielbereich. Was aber nicht heißt, dass er keine Ahnung von Oper hätte:

Oper sei Theater, «erweitert und verdichtet um die Dimension der Musik», sagte er. Als solches müssten die Werke «in Bezug zur Gegenwart» gebracht werden, um Relevanz zu haben.

Gut, dass das endlich mal einer gesagt hat!

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Links: Wolfgang Wagner dankt ab

Jetzt ist es amtlich: Wolfgang Wagner tritt noch in diesem Jahr als Leiter der Bayreuther Festspiele ab. Ich belasse es hier bei einer kleinen Zusammenstellung der interessantesten Links:

Wagners Rücktrittsschreiben

Sehr guter Hintergrundbericht von Julia Spinola in der FAZ. Vor allem interessant, dass es keinerlei Verpflichtung der Findungskommission gibt, die beiden Wolfgang-Töchter tatsächlich zu inthronisieren. Vielleicht steht der dramaturgische Höhepunkt in dieser Sache noch aus…?

Claus Peymann haut wieder einmal auf die Kacke und meint, der beste Opernregisseur solle anstatt der Wagner-Töchter auf den Leitungsposten, seiner Meinung scheint das Jürgen Flimm zu sein. Flimm hatte 2002 einen Ring in Bayreuth inszeniert, der Peymanns Einschätzung allerdings nicht stützt.

Angesichts der komplizierten Familienverhältnisse hat die SZ einen Stammbaum erstellt. Die 1867 geborene Tochter Richard Wagners Eva scheint demnach immer noch zu leben.

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