Feminismus-Debatte

Interessant ist die Diskussion um den alten und den neuen Feminismus, die durch die Auszeichnung Alice Schwarzers mit dem Ludwig-Börne-Preis startete. In ihrer Dankesrede griff sie nämlich den sog. neuen Wellness-Feminismus an, bei dem es nur um den persönlichen Erfolg in Sachen Karriere und Männer gehe.

Während die Replik der Alphamädchen etwas beleidigt ausfiel (»Wir wollen aber auch was zum Feminismus sagen dürfen!«), war die der neuen deutschen Mädchen offensiv und intelligent: indem Schwarzer ihnen derart über den Mund fahre und abkanzele, was sie zur Diskussion beizusteuern haben, mache Schwarzer mit ihnen das, was sie der patriarchalen Gesellschaft vorwirft, mit den Frauen insgesamt zu machen. Eine scharfzüngige Antwort aus altfeministischen Reihen ließ wiederum auch nicht lange auf sich warten.

Fehlt eigentlich nur noch die Stimme der aufkeimenden Männerbewegung, um diese Diskussion endgültig zu einer hochexplosiven Angelegenheit werden zu lassen.

Dass diese ganze Debatte um Gleichstellung oder nicht möglicherweise aber schon etwas anachronistisch sein könnte, legt ein Buch der amerikanischen Wissenschaftlerin Susan Pinker nahe. Ihre These lautet in etwa: Frauen wollen weder in die Chefetagen, noch in techniklastige Branchen. Dass sie dort selten zu finden sind, sei ein Zeichen von Freiheit und Selbstbestimmung und nicht eines von Benachteiligung. Im Gegenteil: in armen Ländern ist der Anteil an Frauen, die in technischen Berufen arbeiten, wesentlich höher, weil sie dort besser verdienen als in kommunikativen, erzieherischen oder medizinischen Berufen, die sie ohne wirtschaftliche Not lieber ausüben würden. Diese Unterschiede in der Berufswahl lägen im übrigen nicht an patriarchal definierten Geschlechterrollen, sondern seien im Grunde hormonell bedingt. Testosteron wecke die Konkurrenzlust, das weibliche Hormon Oxytocin dagegen begünstigt Empathie. Ganz so simpel ist es vermutlich nicht, aber das Buch hat auch 400 Seiten.

Ob es eine Chance gibt, dieses ganze Thema sachlich zu diskutieren?

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Lang Lang gedopt?

Durch ein Interview mit dem Pharmakologen und Doping-Experten Fritz Sörgel, das ich gerade gehört habe, bin ich auf ein sehr interessantes Tabuthema gestoßen und zwar: Doping im Kulturbereich. Das klingt vielleicht erstmal nach einem blöden Witz, ist aber durchaus nicht so gemeint. Kürzlich schrieb ich im Zusammenhang mit Trip to Asia über den immensen Leistungsdruck bei Musikern. In dem Film klang bereits an, dass Alkoholkonsum für manchen eine Strategie sein kann, diesen Druck zu kompensieren. Allerdings ist Alkohol natürlich keine leistungssteigernde Substanz im Sinne des Doping.

Wohl aber sind es die nach Sörgel in Musikerkreisen ebenfalls durchaus verbreiteten Beta-Blocker, die gegen Nervösität und Panik helfen, indem sie die durch Stress und Belastung steigende Herzfrequenz senken; indirekt erhöhen sie so auch die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Wer sich als Instrumentalist in einem Wettbewerb oder Probespiel auf diese Weise einen Vorteil verschafft, würde im Sport als gedopt gelten. Ritalin, das zur Behandlung von ADS eingesetzt wird, wirkt bei gesunden Menschen als »Brainbooster« und wird deswegen auch bei Lernstress eingeworfen. Ein Schauspieler, der Faust oder Wallenstein zu spielen hat, kommt da sicher auch leicht in Versuchung. Vielleicht muss zukünftig nicht nur bei der Olympiade und der Tour de France kontrolliert werden, sondern auch bei den Salzburger Festspielen?

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Initiative Printmedien

Die Gesamtauflagen der deutschen Tageszeitungen sind seit 1993 - dem Jahr, als der Netscape-Browser auf den Markt kam - um gut 5,6 Mio. gesunken, konkret von 30,5 auf 24,9 Mio. Dieses wirtschaftliche Problem der Werbung verkaufenden Zeitungsverlage deutet die Initiative Printmedien in ein kulturelles um: Die Jugend werde immer lesefauler, was geradewegs in die Politikverdrossenheit und demokratische Teilnahmslosigkeit führe. In einem Konzeptpapier von Kulturstaatsminister Bernd Neumann heißt es:

Auch gibt es immer mehr Stimmen, die einen Zusammenhang zwischen der abnehmenden Nutzung von Printmedien, sinkender Lesefähigkeit und wachsendem Desinteresse an politischen und gesellschaftlichen Fragen sehen. Deshalb ist es nicht nur für den Fortbestand einer pluralistischen Medienordnung, sondern auch für die Zukunft unserer Demokratie insgesamt lebenswichtig, dass besonders junge Menschen stärker über die klassischen schulischen Angebote hinaus an einen mündigen Umgang mit Zeitungen und Zeitschriften herangeführt werden.

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Fehlbare werden verzeigt

Am vergangenen Wochenende habe ich eine Weiterbildung gemacht, bei der es u.a. um Internationales Management ging. Dabei wurde auch besprochen, dass man die Unterschiede zwischen Ländern aus dem gleichen Kulturkreis leicht mal unterschätzt. Dass es in China oder Indien völlig anders zugeht als in Deutschland ist keine Frage und keine Überraschung. Mancher Unterschied zwischen Nachbarländern wie Schweiz und Deutschland dagegen schon, zumal wenn man der irrigen Meinung aufsitzt, hier werde die gleiche Sprache gesprochen. Passenderweise stach mir auf dem Pausenspaziergang, auf dem ich mir diese Erkenntnis noch einmal durch den Kopf gehen ließ, dieser Warnhinweis ins Auge: Warnschild

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Kultur ist unkaputtbar

Auf dem Kulturmanagement-Blog und auf Moving-Culture wird gerade die gute alte Frage diskutiert, wieweit Kultur mit Wirtschaft verzahnt werden sollten und was Kultur eigentlich “wert” ist. Ein Problem ist meines Erachtens, dass sich die Grenze gar nicht scharf ziehen lässt.

Zum einen, weil Kultur nicht von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. Besonders die sog. Hochkultur ist hochgradig verinstitutionalisiert, aber mit der Abschaffung von Institutionen geht Kultur an sich nicht verloren. Das einzigartige, aber kostspielige Theaterwesen in Deutschland ist nicht zwingend ausschlagebend dafür, ob Menschen Theater spielen oder nicht. Es hilft dabei, es ist gut, aber es ist nicht das Theaterspielen an sich. Die Schlussfolgerung aus dieser Überlegung ist in meinen Augen allerdings nicht, dass einem deswegen die Institutionen egal sein können, sondern dass man bewusste Entscheidungen für oder gegen diese Institutionen treffen kann. Eine bewusste Entscheidung dafür heißt dann aber auch, die wirtschaftlichen Grundlagen bereitzustellen und nicht ständig in Frage zu stellen. Den ganzen Beitrag lesen »

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Lieber Elbe statt Starnberger See

Vor einiger Zeit schrieb ich über einen ZEIT-Artikel, in dem das Hamburger und Münchner Kulturleben miteinander verglichen wurde - aus Münchner Sicht. Jetzt gibt es, ebenfalls in der ZEIT, eine wirklich brilliant geschriebene, sehr amüsante Antwort aus Sicht eines Hamburgers. Fazit: lieber vom Elbwind durchpusten lassen als fett werden und im seichten Wasser des Starnberger Sees ertrinken. Allerdings, kann man da nur sagen!

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Gender Mainstreaming: Pudding an die Wand nageln

Kürzlich bin ich wieder einmal über den Begriff »Gender Mainstreaming« gestolpert und wollte diesmal wissen, was das eigentlich ist. Was man bei Wikipedia dazu lesen kann, ist recht abstrakt. Bei weiterer Recherche bin ich allerdings auf einen Artikel gestoßen, wo Gender Mainstreaming wesentlich griffiger und anschaulicher, allerdings auch ironischer, beschrieben wird. Nämlich als Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln, der leider nur banale Ergebnisse zu Tage bringt. Den ganzen Beitrag lesen »

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Clinton vs. Obama

In den USA wird von konservativer Seite offenbar eine regelrechte Hexenjagd gegen Hilary Clinton betrieben. Ich muss gestehen, dass ich auch den Eindruck habe, Clinton sei eine überehrgeizige, machtversessene Person. Aber warum eigentlich? Wahrscheinlich allein wegen der Fotos, wo Clinton mit weit aufgerissenem Mund zu sehen ist und ziemlich dämlich aussieht. Und warum erscheint Obama als die große Heilsfigur? Laut Weltwoche, weil er bei einem Prediger in die Rhetorik-Schule gegangen ist. Da man über politische Programm praktisch nichts liest, ist zu befürchten, dass tatsächlich nicht mehr dahinter steht.

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Künstler sind Überlebenskünstler

Künstler und Kreative sind in der Regel auch (Über-)Lebenkünstler. Für kreative Selbstbestimmung und -verwirklichung nehmen sie oftmals prekäre und ausbeuterische Arbeitsbedingungen in Kauf. Für einen besonders ausbeuterischen Fall wurde gerade der Raffzahn 07 vergeben, aber auch bei tarifvertraglich geregelten Beschäftigungsverhältnissen, z.B. am Theater nach NV Bühne, fragt man sich, wie man je auf einen grünen Zweig kommen soll. Auf den Nachdenkseiten gibt es einen Artikel zu dieser Problematik, in dem eine interessante Parallele zur Landwirtschaft gezogen wird. Denn dort arbeiten etwa so viele Menschen wie in kreativen Berufen, aufgrund intensiver Lobbyarbeit erfährt dieser Bereich aber ganz andere öffentliche Unterstützung. (Gut, der Erntehelfer wird davon auch nicht viel mitkriegen…)

Das ist auch deswegen absurd, weil die kreativen Berufe die Zukunftsfähigkeit des gesamten Landes gewährleisten und schon heute wesentlich zur Wohlstandssicherung beitragen und nicht nur - wie auf den Nachdenkseiten angeführt - anderen Menschen das Leben verschönern. Das zeigt ganz sinnfällig die Studie Talente, Technologie und Toleranz - wo Deutschland Zukunft hat des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt. Je höher das kreative Potenzial einer Region, umso größer der wirtschaftliche Erfolg.

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Schweizer Auslandssemester für Ypsilanti

In punkto demokratischer Kultur kann Deutschland ganz allgemein viel von der Schweiz lernen. Das zeigt sich auch an der peinlichen Pleite von Andrea Ypsilanti und Kurt Beck. Wie man einen politischen Coup landet, haben die Schweizer Parteien SP, CVP und FDP im vergangenen Dezember bei der Wahl der Bundesräte bzw. der Abwahl von Christoph Blocher gezeigt: kurzfristige, geheime Vorbereitung und dann mit großem Knall an die Öffentlichkeit, wenn alles klar ist. Und dabei sind die Schweizer Abgeordneten noch nicht einmal Berufspolitiker!

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