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	<title>kulturblog.net &#187; Glosse</title>
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	<description>Das Leben ist gut, soweit es der Kunst standhält. - Robert Musil</description>
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		<title>Ästhetik und Fußball</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 18:44:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass Finanzprodukte anhand von ästhetischen Kriterien bewertet werden, wurde bereits vor längerem einmal in der ZEIT konstatiert. Aktien «performen» mehr oder weniger gut und haben – wenn es richtig gut läuft – «Fantasie»; nicht wenige ehemalige «Börsenstars» hoffen auf ein «Comeback», jetzt nach der Krise. Auch Kreditbedarf würde nicht mehr berechnet, sondern «dargestellt». Ein ähnliches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass Finanzprodukte anhand von ästhetischen Kriterien bewertet werden, wurde bereits vor längerem einmal in der ZEIT <a href="http://www.zeit.de/2009/29/Woerterbericht-29" target="_blank">konstatiert</a>. Aktien «performen» mehr oder weniger gut und haben – wenn es richtig gut läuft – «Fantasie»; nicht wenige ehemalige «Börsenstars» hoffen auf ein «Comeback», jetzt nach der Krise. Auch Kreditbedarf würde nicht mehr berechnet, sondern «dargestellt».</p>
<p>Ein ähnliches Phänomen gilt auch für Fußball, wie aktuell in der Berichterstattung zur WM gut zu beobachten. Pässe, Tore, Flanken, Eckstöße sind «schön», zumindest wenn Könner am Werk sind, alles andere wird den «Dribbelkünstlern» überlassen. Und mitunter bekommt man den Eindruck, diese ästhetischen Kriterien würden sogar zum Maß aller Dinge erhoben. Das machte der spektakuläre Sieg der Schweizer «Nati» gegen die Spanier deutlich. In ästhetischer Hinsicht hatten die Schweizer wenig zu bieten und die Spanier darum große Mühe zu akzeptieren, dass nicht ihr «schöner» Offensiv-Fußball über Sieg oder Niederlage entschied, sondern die Anzahl der am Ende des Spiels geschossenen Tore pro Mannschaft. Effektiver war in diesem Fall daher die pragmatische, aus dem Militärischen entlehnte Reduit-Strategie der Schweizer, die die ästhetische Überlegenheit der Spanier ins Leere laufen ließ. Auch die akustische Umweltverschmutzung durch die an dieser WM so beliebten Vuvuzelas zeigt ja übrigens, dass die Verbindung Fußball und Ästhetik unterm Strich nicht funktioniert. Selbst Könner wie diese drei Musiker des Berliner Konzerthausorchesters können diesem «Instrument» keine Musik entlocken: <img src='http://kulturblog.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Gut, Brahms und Ravel überfordern auch etwas die Möglichkeiten des Instruments. Ganz anders das «Vuvuzela Concerto in B Flat» eines unbekannten, aber vermutlich zeitgenössischen Komponisten. Musikalisch im wahrsten Sinne des Wortes sehr «eintönig», ist es technisch doch durchaus anspruchsvoll: Hier kommt es auf eine perfekte Zirkularatmung des Instrumentalisten an.<br />
<img src="http://kulturblog.net/wp-content/uploads/2010/06/Concerto-for-Vuvuzela.jpg" alt="" width="480" height="639" class="aligncenter size-full wp-image-1221" /></p>
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		<title>Heutiges Musiktheater: Nur «Hope» macht Hoffnung</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 21:14:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Oper erhebt zwar immer den Anspruch, «heutig» sein zu wollen, tatsächlich versucht man aber doch auffällig oft, sich in den warmen Glanz der großen Kunst und der großen Erzählungen der Vergangenheit zu legen und diesen zu reflektieren. Beispiel Wolfgang Rihm. Sein letztes Bühnenwerk war eine Vertonung von Goethes Proserpina, einer Figur aus der griechischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Oper erhebt zwar immer den Anspruch, «heutig» sein zu wollen, tatsächlich versucht man aber doch auffällig oft, sich in den warmen Glanz der großen Kunst und der großen Erzählungen der Vergangenheit zu legen und diesen zu reflektieren. Beispiel Wolfgang Rihm. Sein letztes Bühnenwerk war eine Vertonung von Goethes <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/buehne/Oper;art19533,2788534">Proserpina</a>, einer Figur aus der griechischen Mythologie. Rihms nächstes Bühnenwerk, Auftragswerk für die Salzburger Festspiele, beflügelt sich wieder mittels Highlights abendländischer und deutscher Kulturgeschichte: es basiert auf Nietzsches Dionysos-Dithyramben. Klingt (wie etliche von Rihms Werken) nach Neuer Musik als Karikatur ihrer selbst. Wem hier wohlfeile, politisch korrekte Betroffenheit zu kurz kommt, der kann sich auf der Münchener Biennale eine <a href="http://www.mykenae.de/nachrichten/46-festivals/1860-klimawandel-bei-der-muenchener-biennale-" target="_blank">Klimawandel-Oper</a> anhören. So bewusst heutig ist es ebenso unfreiwillig komisch wie Rihms sophistiziert daherkommende Remixe mythologischen Materials.</p>
<p>Irgendwie haut das im Musical besser hin: In Frankfurt läuft seit Januar das Obama-Musical «<a href="http://www.hope-musical.com/" target="_blank">Hope</a>». Klingt erstmal auch kurios, aber eigentlich liegt es auf der Hand. Schließlich war Obamas Wahlkampf emotional und perfekt inszeniert – eben wie ein gutes Musical. Als zusätzliches Gimmick und Zeichen echter «Heutigkeit» gibt es interaktive Trommelstühle, bei denen sich das Publikum interaktiv einbringen kann. Keine Ahnung, wie das genau funktioniert, aber auch hier liegt die Parallele zu Obamas mitreissendem, aktivierendem Web 2.0-Wahlkampf auf der Hand. Ob so ein Musical nun thematisch weniger blöd als eine Klimawandel-Oper ist, sei dahingestellt, «heutiger» ist es auf jeden Fall. Auch deswegen, weil es hierzu wenigstens ein anständiges Youtube-Video gibt:</p>
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		<title>Unleadership nach 50 Cent</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 16:49:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jetzt, wo auch der Kulturbereich langsam anfängt, die aufgedunsene Begriffssau «Leadership» durchs Dorf zu treiben – siehe zum Beispiel die Novemberausgabe des Kulturmanamgent Magazins oder Armin Kleins neues Buch Leadership im Kulturbetrieb – kommt man andernorts schon auf «Unleadership» als ultimativer Führungstechnik des 21. Jahrhunderts: This whole obsession with who the leader is and what [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt, wo auch der Kulturbereich langsam anfängt, die aufgedunsene Begriffssau «Leadership» durchs Dorf zu treiben – siehe zum Beispiel die <a href="http://www.kulturmanagement.net/downloads/magazin/km0911.pdf" target="_blank">Novemberausgabe</a> des Kulturmanamgent Magazins oder Armin Kleins neues Buch <a href="http://www.amazon.de/Leadership-im-Kulturbetrieb-Armin-Klein/dp/3531161016/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1263227167&amp;sr=8-1" target="_blank">Leadership im Kulturbetrieb</a> – kommt man <a href="http://www.sastwingees.org/2008/07/26/the-unleadership-manifesto-making-of-the-21st-century-leader-part-1/" target="_blank">andernorts</a> schon auf «Unleadership» als ultimativer Führungstechnik des 21. Jahrhunderts:</p>
<blockquote><p>This whole obsession with who the leader is and what his/her presonality is, is a vestige from the command and control era of management. The 21st century leadership will be marked by a totally different style &#8211; which I decided to call UnLeadership. </p></blockquote>
<p>heißt es da provokativ. Auch wenn ich bestreite, dass gutes Management je im Kommandieren und Kontrollieren bestanden hat, ist dies ein schön subversiver Blick auf das Thema. UnManagement gibt es übrigens auch und ist z.B. in der amerikanischen Subkultur zu lernen. In der <a href="http://www.gdi.ch/gdi-impuls-4-2009" target="_blank">aktuellen Ausgabe</a> des GDI Impuls ist ein Artikel über 50 Cent, in dem der Überlebenskampf der Straßendealer auf Erfolgsrezepte für innovatives Management von morgen abgeklopft wird. Die «Take-Home-Message»: Wachsamkeit, kleinunternehmerisches Partisanentum, Vernetzung, Aggressivität, Flexibiltät und die Freiheit, jederzeit gehen zu können machen sowohl den Erfolg eines Straßendealers als auch den des Managers von morgen aus. <img src='http://kulturblog.net/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Unspielbar</title>
		<link>http://kulturblog.net/2009/04/22/unspielbar/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 16:13:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass visionäre Kunstwerke zunächst als «unspielbar» gelten, kam und kommt gelegentlich vor. Berühmte Beispiele ist u.a. Schuberts Große C-Dur-Sinfonie oder Wagners Tristan und Isolde. An Wagners Musikdrama haben sich 1863 keine geringeren als die Wiener Philharmoniker in 77 Proben die Zähne ausgebissen und es dann doch sein gelassen. Sowohl bei Tristan als auch bei der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass visionäre Kunstwerke zunächst als «unspielbar» gelten, kam und kommt gelegentlich vor. Berühmte Beispiele ist u.a. Schuberts Große C-Dur-Sinfonie oder Wagners Tristan und Isolde. An Wagners Musikdrama haben sich 1863 keine geringeren als die Wiener Philharmoniker in 77 Proben die Zähne ausgebissen und es dann doch sein gelassen. Sowohl bei Tristan als auch bei der Schubert-Sinfonie hat sich später herausgestellt, dass die Beschränkung in den Köpfen der Aufführenden lag, nicht in der Partitur. Das ist bei Rachmaninows Klavierwerken nicht anders, wie man in diesem Clip sehen kann:  </p>
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		<title>Tweet readings</title>
		<link>http://kulturblog.net/2009/02/25/tweet-readings/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 13:57:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Marcus Brown]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn ich kürzlich die Frage gestellt habe, ob die kommunikativen Strukturen sozialer Medien das Niveau der Diskussionen deckelt, die über sie geführt werden, dann nur, weil ich da die Tweet Readings von Marcus Brown noch nicht kannte. Kein Zweifel: Tweets sind nicht nur großartige Klolektüre, sondern eine literarische Form, in der sich bewegende, erschütternde, existenzielle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich <a href="http://kulturblog.net/2009/01/30/viel-oder-gut-was-kann-social-media/">kürzlich</a> die Frage gestellt habe, ob die kommunikativen Strukturen sozialer Medien das Niveau der Diskussionen deckelt, die über sie geführt werden, dann nur, weil ich da die <a href="http://andasifbymagic.com/" target="_blank">Tweet Readings</a> von Marcus Brown noch nicht kannte. Kein Zweifel: Tweets sind nicht nur großartige Klolektüre, sondern eine literarische Form, in der sich bewegende, erschütternde, existenzielle Fragen aufwerfen und ausdrücken lassen. Man muss diese neue Form eben zu deuten wissen:</p>
<p><a href="http://vimeo.com/3148010">Official Tweet Reading V: Reading Robert Scoble</a> from <a href="<iframe src="http://player.vimeo.com/video/andasifb" width="480" height="295" frameborder="0"></iframe>ymagic&#8221;>Marcus Brown</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
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		<title>Jodeldiplom</title>
		<link>http://kulturblog.net/2009/01/28/jodeldiplom/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Jan 2009 20:39:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Meine erste Begegnung mit dem Jodeln hatte ich bei]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine erste Begegnung mit dem Jodeln hatte ich bei <a href="
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=4PeYjqhLcBA">http://www.youtube.com/watch?v=4PeYjqhLcBA</a></p>
<p> target=&#8221;_blank&#8221;>Otto Waalkes</a>, der diese Disziplin für einen Norddeutschen erstaunlich gut beherrscht. Die meisten Durchschnittsdeutschen tun sich dagegen mit dieser eigenartigen Sangeskunst ziemlich schwer, wie Frau Hoppenstedts ersten unsicheren Schritte auf dem Weg zum Jodel-Diplom zeigen: </p>
<p>Was bei Loriot nur Gag ist, ist in der Schweiz Realität: Melanie Oesch, Sängerin der Schweizer Familienband <a href="http://www.oesches.ch/" target="_blank">Oeschs die dritten</a>, hat sich tatsächlich ein Diplom erjodelt: sie wählte Jodeln als Abiturprüfungsfach. Oeschs die dritten sind in der Schweizer Volksmusikszene übrigens gerade der Renner und schaffen es, wie auch andere Jodelgruppen, regelmässig in die Schweizer Popcharts.</p>
<p>Dieses Lied ist übrigens ein weiterer Beleg dafür, dass es hinter der pittoreksen Fassade des Schlagers durchaus sehr schlüpfrig zugeht – auch wenn eine Zeile wie «So üben wir die ganze Nacht, bis morgen früh der Tag erwacht: dann jodelst du ganz sicherlich, genauso gut wie ich!» natürlich lange nicht an z.B. Roland Kaisers erotische Eskapaden in «<a href="http://is.gd/hDSV" target="_blank">Santa Maria</a>» oder «<a href="http://is.gd/hDSF" target="_blank">Manchmal möchte ich schon mit dir&#8230;</a>» heranreichen.</p>
<p>(Dass der Name der Gruppe Bezug auf das dentale Equipment des Stammpublikums Bezug nähme, wäre übrigens ein Trugschluss: die Familienband heißt so, weil sie mittlerweile in der dritten Generation musiziert.)</p>
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		<title>Ausziehen oder nicht ausziehen?</title>
		<link>http://kulturblog.net/2008/12/23/ausziehen-oder-nicht-ausziehen/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Dec 2008 21:52:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glosse]]></category>
		<category><![CDATA[Audience Development]]></category>
		<category><![CDATA[Theatervorstellungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie neue Publikumsschichten für das Theater erschlossen und begeistert werden können – das ist eine der ganz großen Fragen, die Theaterleute umtreibt. Eine wirklich schlüssige Antwort darauf hat bislang niemand gefunden. Vielleicht auch, weil man sich gedanklich in seinen Vorstellungen darüber festgefahren hat, was Theater überhaupt sein kann und soll? Wenn sich die derzeitigen Besucherzahlen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie neue Publikumsschichten für das Theater erschlossen und begeistert werden können – das ist eine der ganz großen Fragen, die Theaterleute umtreibt. Eine wirklich schlüssige Antwort darauf hat bislang niemand gefunden. Vielleicht auch, weil man sich gedanklich in seinen Vorstellungen darüber festgefahren hat, was Theater überhaupt sein kann und soll? Wenn sich die derzeitigen Besucherzahlen nur unter größten Mühen überhaupt halten lassen, sollte man vielleicht lieber beim Theaterbegriff selbst ansetzen?! Eine Vorlage dazu lieferte gerade ein holländisches Gericht, das entschied: <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/854/450575/text/" target="_blank">Peepshows sind Theatervorstellungen</a>. Zwar waren für diese Schlussfolgerung steuerrechtliche Überlegungen ausschlaggebend, keine inhaltlichen oder ästhetischen, aber die Begründung ist durchaus prägnant und einleuchtend: Bei Peepshows wie bei »Hamlet« gibt es eine Bühne, eine Vorstellung und zahlendes Publikum. Vielleicht sollte das Theaterleitern zu denken geben?</p>
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		<title>Reihe Best Practice I: Kleinstkindertheater</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 20:02:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Best practice]]></category>
		<category><![CDATA[Glosse]]></category>
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		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Armin Klein]]></category>
		<category><![CDATA[Audience Development]]></category>
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		<description><![CDATA[Ausgehend von meinen Anmerkungen zu Armin Kleins Buch »Der exzellente Kulturbetrieb«, hat sich im Kulturmanagment-Blog eine kontroverse Diskussion entwickelt, ob Klein mit seiner Einschätzung denn nun richtig liegt oder eher nicht. Dabei ist vielleicht noch einmal wichtig, klar zu stellen, dass ich nicht alles falsch finde, was Klein schreibt. Zu vieles finde ich aber entweder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ausgehend von meinen <a href="http://kulturblog.net/2008/11/01/wir-sind-besser-als-armin-klein-glaubt/">Anmerkungen</a> zu Armin Kleins Buch »Der exzellente Kulturbetrieb«, hat sich im Kulturmanagment-Blog eine <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2008/11/02/sind-wir-wirklich-besser-als-armin-klein-glaubt/" target="_blank">kontroverse Diskussion</a> entwickelt, ob Klein mit seiner Einschätzung denn nun richtig liegt oder eher nicht. Dabei ist vielleicht noch einmal wichtig, klar zu stellen, dass ich nicht alles falsch finde, was Klein schreibt. Zu vieles finde ich aber entweder einseitig oder zu oberflächlich, zum Beispiel wenn Klein einfordert, dass Kulturbetriebe nach ihrer eigenen, nicht nach behördlicher, Logik arbeiten sollen, sie aber seinerseits nicht anhand ihrer eigenen betrieblichen Logik berät, sondern die (nicht nur für den Kulturbetrieb) <a href="http://www.amazon.de/fragw%C3%BCrdigen-Grundlagen-%C3%96konomie-philosophische-Wirtschaftswissenschaften/dp/353420073X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1226001665&amp;sr=8-1" target="_blank">fragwürdige</a> der allgemeinen BWL anlegt. </p>
<p>Da ich mit meiner Meinung doch relativ allein dastehe und Kleins pessimistische Einschätzung tendenziell eher geteilt wird, habe ich mir gedacht, eine kleine Reihe über innovative Konzepte in deutschen Kultureinrichtungen (es werden wohl in erster Linie Theater und Orchester werden) zu machen. Sachdienliche Hinweise sind natürlich herzlich willkommen.</p>
<p>In einem <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2008/11/02/sind-wir-wirklich-besser-als-armin-klein-glaubt/#comment-3479" target="_blank">Kommentar</a> fragt Christian Henner-Fehr, wer denn in Deutschland etwas zum Thema Audience Development mache. Wie der Zufall es wollte, bin ich heute über ein passendes Beispiel aus Dresden gestolpert: ein <a href="http://is.gd/6w9Y" target="_blank">Kleinstkindertheaterfestival</a> für Unter-Drei-Jährige. Das ist strategisch natürlich äußerst gewieft, weil man die Kinder so mit Theater anfixen möchte, noch bevor sie in die Fänge von Handys, Computern oder Fernsehern geraten. Aber mal ehrlich: Ist das jetzt exzellent oder einfach gaga? Ist das innovativ gedacht oder die Bankrotterklärung des Theaters? Mir scheint die Grenze nicht ganz scharf gezogen zu sein. Trotzdem sei dieses Beispiel mit durchaus ernstem Hintergrund zur Diskussion gestellt, denn Klein fordert vom exzellenten Kulturbetrieb: </p>
<blockquote><p>Die Aufmerksamkeit sollte in Zukunft also sehr viel verstärkter dem Publikum von morgen und seiner zielgerichteten Entwicklung (»Audience Development«, wie es im Amerikanischen heißt) gelten. </p></blockquote>
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		<title>Meine Güte! Bachler im Interview</title>
		<link>http://kulturblog.net/2008/10/03/meine-gute-bachler-im-interview/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Oct 2008 19:43:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glosse]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Bayerische Staatsoper]]></category>
		<category><![CDATA[Nikolaus Bachler]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass es das Schlichte oft einfacher hat als das Komplizierte erlebe ich täglich an mir selbst beim Bäcker, wo mein Blick eher an der Schlagzeile der BILD-Zeitung hängen bleibt als an der des Weser-Kuriers, obwohl auch bei deren Beschreibung »kompliziert« nicht das Wort der Wahl ist. Die Künste, so könnte man meinen, seien dagegen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass es das Schlichte oft einfacher hat als das Komplizierte erlebe ich täglich an mir selbst beim Bäcker, wo mein Blick eher an der Schlagzeile der BILD-Zeitung hängen bleibt als an der des Weser-Kuriers, obwohl auch bei deren Beschreibung »kompliziert« nicht das Wort der Wahl ist. Die Künste, so könnte man meinen, seien dagegen der Ort, an dem diese Regel gebrochen werde; hier habe das Abwegige und Abwägende, das Grüblerische, das Introvertierte und Leise seinen Platz. </p>
<p>Im <a href="http://is.gd/3unb" target="_blank"> Interview mit Klaus Bachler</a>, dem neuen Chef der Bayerischen Staatsoper, wird man eines Besseren belehrt. <a href="http://kulturblog.net/2008/05/06/wozu-das-theater/">Erneut</a> nur Platitüden und rhetorische Großspurigkeit. Sind das jetzt die Schlüsselqualifikationen für die <a href="http://kulturblog.net/2008/08/09/konzepte-fur-bayreuth/">Leitungsposten international bedeutender bayrischer Musiktheater</a>?</p>
<p>Es beginnt ganz harmlos mit der unsinnigen Behauptung, dass Startum sei mit Maria Callas zu Ende gegangen, Netrebko sei so gesehen kein Star, sondern »eine gute Sängerin, die sich ganz toll dafür eignet, in der heutigen Zeit vermarktet zu werden.« Genau das heißt aber Star. Callas war eine Diva, wenn man so will ein »nachhaltiger« Star. Wie auch immer, der Star soll jetzt die Oper selbst sein. Wer würde das nicht gutheißen? </p>
<p>Dann erklärt er als zweitausenddreihundertfünfundvierzigster Intendant die Frage »Was hat die Oper heute zu sagen?« zum Leitfaden seiner Arbeit. Um eine Antwort zu finden, greift er das fast ebenso unoriginelle Rezept auf, opernunerfahrene Regisseure zu engagieren, nachdem er wenige Sätze zuvor noch meinte, es gelte, die Inszenierungen auf das Niveau zu bringen, auf dem das Werk angesiedelt sei. Man muss nur die zwei Bildbeispiele mit der stereotypen Opernszenerie sehen, um ernsthafte Zweifel zu bekommen, dass das ohne Weiteres gelingt.</p>
<p>Der Spruch von München als »internationalem Dorf« darf dann übrigens ebenso wenig fehlen wie die geistreiche Erkenntnis, dass das Katholische an sich schon etwas Theatralisches habe. Und Bachler wäre auch kein anständiger Intendant, sähe er die Legitimation von Theaterarbeit nicht darin, »zu widersprechen, Dinge aufzureißen, unbequem zu sein.« Mit der Bemerkung, seine Wahl sei auch auf München gefallen, weil das in einer konservativen Stadt leichter sei als anderswo, desavouiert er seinen Anspruch an das Theater dann vollends. Meine Güte!</p>
<p><strong>Nachtrag, 4.10.</strong> Folglich keine Überraschung: Die <a href="http://is.gd/3wwl">Rezension in der Frankfurter Rundschau</a>.</p>
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		<title>Kunst vereinnahmt Kommerz</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Sep 2008 19:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor kurzem wurde im Kulturmanagement-Blog über die Vereinbarkeit von Kunst und Kommerz debattiert. Im Grunde war man sich schnell einig, dass beide einander nicht grundsätzlich ausschließen, aber sichergestellt sein sollte, dass der Kommerz die Kunst nicht vereinnahmen können sollte. Aber was im umgekehrten Fall, wenn sich die Kunst der Gallionsfiguren kulturindustriellen Kommerzes bemächtigt? Diese Frage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor kurzem wurde im <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2008/09/24/schliesen-sich-kunst-und-kommerz-aus/" target="_blank">Kulturmanagement-Blog</a> über die Vereinbarkeit von Kunst und Kommerz debattiert. Im Grunde war man sich schnell einig, dass beide einander nicht grundsätzlich ausschließen, aber sichergestellt sein sollte, dass der Kommerz die Kunst nicht vereinnahmen können sollte. Aber was im umgekehrten Fall, wenn sich die Kunst der Gallionsfiguren kulturindustriellen Kommerzes bemächtigt? Diese Frage folgt dem Prinzip »Mann beißt Hund«, aber sie wird sich in der Saison 2009/10 an der New York City Opera stellen, wenn <a href="http://is.gd/3lei" target="_blank">Philip Glass&#8217; Oper »The Perfect American«</a> über Walt Disney Uraufführung hat. Adorno kann froh sein, dass er diesen Tag nicht miterleben muss und die <a href="http://kulturblog.net/2008/08/13/rest-in-peace-adorno/">Schlümpfe</a> ihre Arbeit gemacht haben.</p>
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