Schon häufiger habe ich darüber geschrieben, dass Theater heute zwangsläufig «museal» seien, auch wenn es in der Szene kaum einen schlimmeren Makel als ebendieses Etikett zu geben scheint. FAZ-Theaterkritiker Gerhard Stadelmeier macht’s jetzt fest an den Schauspiel-Spielplänen der nächsten Saison, die nach seiner Ansicht zu einem großen Teil «episch verseucht» seien, will sagen an einzelnen [...] Weiterlesen – ‘«Episch verseucht» – Die Theaterspielpläne der kommenden Saison’.
Welche Bedeutung kulturelle Kompetenz heute für ökonomischen Erfolg hat, zeigt der amerikanische Journalist Carmine Gallo, der sich mit Steve Jobs Präsentationskunst beschäftigt und darüber ein ganzes Buch verfasst hat. Er zeigt, dass die Produktvorstellungen von Apple nicht einfach Produktvorstellungen sind, bei denen die neuen Features der Geräte vorgestellt werden, sondern genau einstudierte Inszenierungen, denen die [...] Weiterlesen – ‘Dramentheorie reloaded: Steve Jobs Produktinszenierungen’.
Jede Erfindung braucht einen Mutigen der sie vordenkt. Beim Podcasting scheint das Bertolt Brecht gewesen zu sein. Ende der 1920er Jahre schrieb er: Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer [...] Weiterlesen – ‘Brecht als Vordenker eines kapitalistischen Heilsversprechens’.
Auf den ersten Blick macht der Videocast des Staatsballetts Berlin nicht wahnsinnig viel her. Wackelige, verwaschene Bilder, keine Moderation, selten mal ein Interview, meistens einfach ein paar amateurhafte Eindrücke aus der Arbeit des Ensembles. Die Machart entspricht nicht den technischen und redaktionellen Standards der PR-Clips der Bayreuther Festspiele. Der Grund ist, dass die Clips in [...] Weiterlesen – ‘Staatsballett Berlin: «Audience Development» mit Videocast’.
Dass Theater-Lobbyismus nicht eine Angelegenheit der wohldosierten Worte und einer fein austarierten Balance zwischen Jammern und Selbstlob sein muss, zeigt der französische Theaterdirektor Richard Martin. Nachdem die staatlichen Zuschüsse für sein Theater Toursky gestrichen wurden, wählte er die denkbar theatralste Form des Lobbyismus: Er machte den Einsatz für sein Theater zu einer Sache auf Leben [...] Weiterlesen – ‘Theater-Lobbyismus auf Leben und Tod’.
Die deutschen Theater und Orchester konnten ihre Eigennahmen in der Saison 2007/08 um 1,1 Prozentpunkte steigern. Für den Deutschen Bühnenverein ein gutes Zeichen, Direktor Rolf Bolwin meint: Hier wird deutlich, dass die Theater und Orchester auf die ökonomische Krise mit der Steigerung ihrer eigenen Wirtschaftskraft reagiert haben. Das sieht man auch an der Zahl der [...] Weiterlesen – ‘Das Dilemma der Theater-Lobbyisten’.
Vor einiger Zeit habe ich über das Konzert der Philharmoniker Hamburg berichtet, wo das Orchester über halb Hamburg verteilt war und, über Kameras koordiniert, Brahms Zweite spielte. Das Ganze konnte man sich online entweder registerweise oder in der Zusammenschau anhören und -sehen. Wo der künstlerische Mehrwert lag, hat sich mir nicht erschlossen. Gestern Abend hat [...] Weiterlesen – ‘La Bohème im Multichannel-Livestream’.
Vor einiger Zeit habe ich bemängelt, dass Strategiearbeit in den mittlerweile sehr zahlreichen Kulturmanagement-Ausbildungen keine Rolle spielt. (Eine Ausnahme macht die FH Merseburg.) Neuerdings gibt es einen Lehrgang Theater- und Musikmanagement an der LMU – wieder ohne Strategie. Man spricht zwar von «innovativen Konzepten» und «zukunftsorientierten Lösungsansätzen» und zeigt sich selbst sehr innovativ mit einem [...] Weiterlesen – ‘Neuer Studiengang in Theatermanagement’.
Mit seiner Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele hat Daniel Kehlmann einen erbosten Aufschrei der deutschen Feuilletonisten provoziert. Eine gute Zusammenfassung der Reaktionen gibt es bei nachtkritik.de. Viele sprechen für sich; besonders witzig zu lesen fand ich Joachim Lottmanns «Schützenhilfe». Wenn man die Rede liest, scheint es, dass trotz laufender Festivalsaison auch im Feuilleton das [...] Weiterlesen – ‘Kehlmann füllt das Sommerloch im Feuilleton’.
«Preiskampf» – so ist die hier zu sehende Jurysitzung zur Vergabe des 3sat-Preises beim Theatertreffen 09 betitelt gewesen. Wahrscheinlich wurde Claus Peymann in die Jury berufen, um sicher zu stellen, dass es auch wirklich ein Kampf wird. Dass Peymann ihn gewonnen hat, wundert nicht. Wenngleich er seinen «Sieg» natürlich weniger einem konsensfähigen Vorschlag als vielmehr [...] Weiterlesen – ‘Peymann gewinnt im Preiskampf’.
Das scheinbar Antiaufklärerische, das in Lohengrin im sog. Frageverbot zu Tage tritt, ist vermutlich schon in tausenden von Inszenierungen kritisiert und auseinandergedröselt worden. Jetzt, wie es scheint, einmal mehr in der Neuinszenierung an der Staatsoper Unter den Linden. Regisseur Herheim entblödet sich nicht, es gar «faschistoid» zu nennen. Natürlich muss es einem gebildeten Mitteleuropäer zu [...] Weiterlesen – ‘Lohengrin meets Lehman Brothers’.
Weil Theater und Musik nicht einfach nur schön sein sollen, wenn sie viel kosten, werden seit einiger Zeit so genannte Umwegrentabilitäten errechnet, die aufzeigen sollen, dass es sich bei der öffentlichen Finanzierung von Theatern um lohnende Investitionen in den jeweiligen Standort handelt. Laut einer aktuellen Studie bringt die Wiener Staatsoper dem Staat eine Rendite von [...] Weiterlesen – ‘Oper rechnet sich’.
Wer in Berlin ins Theater gehen möchte, steht vor der Qual der Wahl, sich aus dem Angebot von 46 Bühnen mit oftmals täglich wechselndem Programm etwas dem Geschmack und den Vorlieben Gemäßes aussuchen zu müssen. Bei gründlicher Recherche läuft dieses Unterfangen Gefahr, länger zu dauern, als der Theaterabend selbst, zumindest solange man nicht auf den [...] Weiterlesen – ‘Kulturdatenbank (Best practice VII)’.
Vom 5. bis zum 15. Februar war Berlinale. Harald Martenstein war dort und hat für die Zeit ein kleines Tagebuch im Stile seiner legendären Kolumne geschrieben. Der Eintrag des siebten Berlinale-Tages beschäftigt sich mit Sinn und Unsinn der Aktualisierung von Klassikern, in diesem Falle «Effi Briest», das die Regisseurin laut Martenstein in «Gute Zeiten, schlechte [...] Weiterlesen – ‘«Effi Briest» als Soap Opera’.
Mittlerweile habe ich einige Einträge darüber geschrieben, dass ich das Theater für ein antiquiertes Medium halte, das ungeeignet ist, heutige Stoffe und Themen angemessen zu reflektieren. Bei aller Sympathie für diese These, bleibt mir doch die Frage, warum dieser Umstand zwar für das Theater, aber nicht für andere alte Medien, Bücher zum Beispiel, gelten soll. [...] Weiterlesen – ‘Mediendarwinismus’.
Die Frankfurter Rundschau berichtet über den Trend an deutschen Bühnen, erfolgreiche Romane wie Feuchtgebiete oder Tintenherz zu Theaterstücken umzuarbeiten (Irgendwo gab es doch bestimmt auch schon eine Bühnenfassung von Harry Potter!?). So hat man nicht nur eine Uraufführung zu vermelden, die eine gesunde Verankerung in der Jetztzeit nahelegt, sondern auch die Hoffnung, trittbrettfahrend von dem [...] Weiterlesen – ‘Liebenswerter Anachronismus’.
Robert Wilson ist ein Regisseur, bei dem das Regiekonzept bei jeder Inszenierung genau gleich ist: durchgängig Zeitlupenbewegungen, symbolisierte, abstrakte Gesten, schlichte stilvolle Gewänder für alle Personen, dazu plateauartige, weitgehend abstrahierte Bühnenbilder, einigermaßen entlang der Handlung durchgestellte szenische Aktion – und fertig. Das funktioniert mal besser, zum Beispiel bei dem getragenen, weitgehend undramatischen Bühnenweihfestspiel Parsifal (Hamburg) [...] Weiterlesen – ‘Die Walküre in Zürich: Wieland reloaded’.
Christian Henner-Fehr warf neulich die Frage auf, welches die Aufgaben von Theatern heutzutage seien. Moralische Anstalten, wie Schiller und einige andere gefordert hatten, seien es ja nicht mehr. Ich wäre mir da nicht so sicher. Bis heute wird am Theater moralisiert, was das Zeug hält. Sicher formuliert man nicht mehr ganz so pathetisch, dass man [...] Weiterlesen – ‘Warum das Theater?’.
Bei allem, was mich am Theater stört und aufregt, gibt es doch gelegentlich Abende, die für alle anderen entschädigen. Abende, in denen man etwas erlebt, was man nur im Theater erleben kann und die das beste Argument für das Theater sind. Ein solcher Abend war der gestrige mit einer fulminanten Aufführung der Walküre an der [...] Weiterlesen – ‘Die Walküre in Hamburg: »Man ist begeistert.«’.
Ausgehend von meinen Anmerkungen zu Armin Kleins Buch »Der exzellente Kulturbetrieb«, hat sich im Kulturmanagment-Blog eine kontroverse Diskussion entwickelt, ob Klein mit seiner Einschätzung denn nun richtig liegt oder eher nicht. Dabei ist vielleicht noch einmal wichtig, klar zu stellen, dass ich nicht alles falsch finde, was Klein schreibt. Zu vieles finde ich aber entweder [...] Weiterlesen – ‘Reihe Best Practice I: Kleinstkindertheater’.
Gestern schrieb Christian Henner-Fehr darüber, was Marketingleute von Künstlern lernen können. Etwas verkürzt gesagt: Passion und Begeisterung. Dass das leider nicht immer stimmt, konnte ich gestern in der ermüdenden Rienzi-Inszenierung von Katharina Wagner erleben, die ich als weiteren griffigen Beleg für die Verankerung des Theaters in vordemokratischen Strukturen abgebucht habe. Denn dass man Wagner hier [...] Weiterlesen – ‘Langweilig und uninspiriert: Rienzi in Bremen’.
Da das Chemnitzer Theater seit diesem Sommer wieder tarifliche Löhne zahlt, muss es 30 Mitarbeiter entlassen. Dass der Intendant verspricht, dass dies ohne künstlerische Konsequenzen möglich sein wird, verstehe ich als implizites Eingeständnis, in den vergangenen Jahren ineffizient gearbeitet und 30 Leute durchgeschleppt zu haben bzw. unter den künstlerischen Möglichkeiten geblieben zu sein. Das Versprechen [...] Weiterlesen – ‘Weniger Geld heißt weniger Kunst’.
Das Bremer Theater hat den Marketing-Preis Highlight 08 des Landes Bremen für innovatives Marketing gewonnen. Interessant wäre zu erfahren, was konkret denn so innovativ ist, denn die in der Nachricht genannten Markenwerte bleiben ohne konkrete Belege bloß leere Worte: kreativ, innovativ, emotional und international, Qualität, Vertrauenswürdigkeit, Tradition und Wertorientierung. Die Bremer Stadtmusikanten ins Logo eingebaut [...] Weiterlesen – ‘Bremer Theater gewinnt Marketing-Preis’.
Dass es das Schlichte oft einfacher hat als das Komplizierte erlebe ich täglich an mir selbst beim Bäcker, wo mein Blick eher an der Schlagzeile der BILD-Zeitung hängen bleibt als an der des Weser-Kuriers, obwohl auch bei deren Beschreibung »kompliziert« nicht das Wort der Wahl ist. Die Künste, so könnte man meinen, seien dagegen der [...] Weiterlesen – ‘Meine Güte! Bachler im Interview’.
Vor kurzem wurde im Kulturmanagement-Blog über die Vereinbarkeit von Kunst und Kommerz debattiert. Im Grunde war man sich schnell einig, dass beide einander nicht grundsätzlich ausschließen, aber sichergestellt sein sollte, dass der Kommerz die Kunst nicht vereinnahmen können sollte. Aber was im umgekehrten Fall, wenn sich die Kunst der Gallionsfiguren kulturindustriellen Kommerzes bemächtigt? Diese Frage [...] Weiterlesen – ‘Kunst vereinnahmt Kommerz’.
Was sollen eigentlich immer diese Slogans a la Oper für alle (oder s. auch hier und hier)? Klingt irgendwie politisch korrekt, wenn Steuergelder auf diese Weise allen zu gute kommen sollen. Genausogut kann man es aber als Zeichen für Nachholbedarf in Sachen Marketing verstehen, denn diese Aussage zeugt weder von Marken- oder zumindest Selbstbewusstsein noch [...] Weiterlesen – ‘Oper für alle?’.
Die FAZ hat kürzlich die Konzepte für die Bayreuther Festspiele von den Bewerberinnenduos Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sowie Nike Wagner und Eva Wagner-Pasquier abgedruckt. Im Vergleich zu Elke Heidenreichs ebenfalls in der FAZ veröffentlichten Bayreuther Vision sind beide Bewerbungen relativ brav, sogar verzagt – Nikes Konzept mit einem geplanten Vorfestival zu Pfingsten unwesentlich innovativer. [...] Weiterlesen – ‘Konzepte für Bayreuth’.
Eigentlich ist es ziemlich uncool, die eigenen Witze zu erklären, aber für meinen gestrigen Twitter-Post waren 140 Zeichen doch etwas wenig. Deswegen noch ein paar ausführlichere Worte dazu. Bevor die Sommerpause der Theater beginnt wird die vergangene Saison bilanziert, weswegen im ZDF-Theaterkanal-Feed zur Zeit eine Erfolgsmeldung die nächste jagt, alle mit dem Ziel die eigene [...] Weiterlesen – ‘Unrentabel, aber das effizient’.
Bei ihren Promoauftritten für Feuchtgebiete war Charlotte Roche immer ein Garant für gute Unterhaltung. Das lag zum einen an ihr selbst und zum anderen natürlich auch am Thema. Auf youtube gibts u.a. ihre charmanten Auftritte bei der target=”_blank”>N3-Talkshow und bei target=”_blank”>Kerner, der hörbar Mühe mit dem Thema hat, zu sehen. Von darstellenden Umsetzungen ihres Buches [...] Weiterlesen – ‘Rutschgefahr’.
Seit einiger Zeit veröffentlicht die FAZ so genannte Bayreuther Visionen, auf die ich hier zu deren Beginn mal verlinkt habe. Es ist schon sehr bezeichnend für die ignorante Selbstbezogenheit und Routine der maßgeblichen Opernmenschen, dass ausgerechnet Elke Heidenreich als Leiterin der Kinderoper Köln die bislang querdenkerischsten und originellsten Ideen beisteuert und es nicht bloß bei [...] Weiterlesen – ‘Heidenreichs Bayreuther Visionen’.
Kultureinrichtungen haben es dieser Tage schwer gegen die EM. In der Host City Zürich mussten sogar Vorstellungen abgesagt werden. Also ist es ja für die Theater eigentlich ganz naheliegend, selbst auf Fußball zu setzen: Ein Schweizer Schauspieler spielt zum Original-Radiokommentar das EM-Spiel BRD gegen DDR (0:1) nach. Volle 90 Minuten rennt er auf dem ansonsten [...] Weiterlesen – ‘Fußballtheater: Gaga genug für Tagesthemen’.
Von wegen, dass Theater sich mit der digitalen Kommunikation mit Ihren Besuchern noch schwer tun, wie ich immer gern meine. Das Theater Augsburg bewirbt seine Produktion vom weißen Rößl mit einem Klingelton: »Tritt ein und vergiss deine Sorgen, im weißen Rößl am See!«. So richtig Web 2.0 ist das zwar nicht, aber ein netter Gag [...] Weiterlesen – ‘Theatermarketing via Klingelton’.
Beim Aufräumen fiel mir eine alte Martenstein-Kolumne von Anfang 2007 in die Hand, in der er anlässlich des Skandals um Neuenfels Idomeneo-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin mit moderner Kunst hadert. Lesenswert und witzig wie immer. Inhaltlich passt die Kolumne auch zu meinem vorletzten Eintrag, indem es um die Frage ging, was Kunst und Ökonomie [...] Weiterlesen – ‘Martenstein hadert mit der Kunst’.
Ob das so eine tolle Idee ist? Das Theater Heilbronn zeigt Wagners Ring als Schauspiel in einer Textfassung von Almut Fischer und K.D.Schmidt. Das ist insofern keine schlechte Idee, als Wagner als Dichter überhaupt nicht ernst genommen wird. Erst Dieter Borchmeyer fing an, mit diesem Vorurteil aufzuräumen, als er sein Buch »Das Theater Wagners« mit [...] Weiterlesen – ‘Wagners Ring ohne Musik’.
Auch Gerhard Stadelmeier beschäftigt sich mit dem Theater, dass nicht mehr an sich selbst glaubt, allerdings ungleich ausführlicher und eloquenter, als ich es im vorgestrigen Eintrag getan habe. Er stellt fest: Das Theater scheint in der panischen Angst, etwas in der Wirklichkeit draußen zu verpassen, in diesen Tagen hektisch vor sich selbst davonzulaufen. und meint [...] Weiterlesen – ‘Wozu das Theater? II’.
Anhand einiger aktueller Ereignisse bricht wieder einmal die Frage nach Sinn und Zweck des Theaters auf. Das eine ist der Rücktritt Wolfgang Wagners und die daraus resultierende Frage, was seine Nachfolgerinnnen eigentlich können und leisten sollen. Peymanns bereits verlinkter Einwurf in dieser Sache war eher unterhaltsam als fundiert, aber auch die gelehrigeren Überlegungen zu dieser [...] Weiterlesen – ‘Wozu das Theater?’.
Jetzt ist es amtlich: Wolfgang Wagner tritt noch in diesem Jahr als Leiter der Bayreuther Festspiele ab. Ich belasse es hier bei einer kleinen Zusammenstellung der interessantesten Links: Wagners Rücktrittsschreiben Sehr guter Hintergrundbericht von Julia Spinola in der FAZ. Vor allem interessant, dass es keinerlei Verpflichtung der Findungskommission gibt, die beiden Wolfgang-Töchter tatsächlich zu inthronisieren. [...] Weiterlesen – ‘Links: Wolfgang Wagner dankt ab’.
Die ans Herz gehende Versöhnung der zerstrittenen Wagner-Familie, die gerade ausgiebig die Runde durch die Feuilletons macht, ebenso wie der Schlagabtausch zwischen Berliner Staatsoper und Senat bestätigt meine alte These, dass das, was im Theater hinter den Kulissen passiert, in aller Regel sehr viel spannender ist als das, was auf der Bühne geschieht. Bei den [...] Weiterlesen – ‘Bühnenfestspiel hinter den Kulissen’.
In nahezu jeder Hinsicht ein Gegenteil zum Rheingold-Film von Karajan ist die Inszenierung von Joachim Schlömer aus dem viel diskutierten Stuttgarter Ring. Die Personenregie ist um ein vielfaches lebendiger und schildert sehr viel genauer (oder überhaupt) die emotionalen Zustände und die Konflikte zwischen den handelnden Personen. Man versteht, warum Alberich nach der Demütigung durch die [...] Weiterlesen – ‘Das Rheingold II: Das Stuttgarter Rheingold’.
Auf Kulturelle Welten schreibt Jörn Borchert über den 18. Internationalen Museumstag, der dieses Jahr auch in Second Life begangen werden soll. Das International Council of Museum (ICOM) entblödet sich nicht, dies vollmundig als Revolution anzukündigen. Das wäre es bestenfalls vor zwei Jahren gewesen, vor dem längst wieder abgeklungenen Hype um Second Life. Mit dem Satz [...] Weiterlesen – ‘Internationaler Museumstag: Revolution verschlafen’.
Gestern hatte ich Gelegenheit in der Staatsoper Berlin Gustavo Dudamel zu erleben. Dudamel hat als Dirigent des Simón BolÃvar-Jugendorchesters eine außerordentliche Karriere hingelegt und ist seit kurzem groß im Geschäft mit Vertrag bei der Deutschen Grammophon, Gastdirigaten an den großen Opernhäusern und großen Orchestern, derzeit einem Chefposten bei den Göteborger Symphonikern und ab 2009 beim [...] Weiterlesen – ‘Dudamel rollt roten Teppich aus’.
Die Äußerungen etlicher Theaterleute, z.B. Schlingensief, Stein oder Peymann, lassen mitunter mehr auf Wahnsinn denn auf Genie schließen. Thalia-Theater-Intendant Ulrich Khuon schafft es dagegen auch mit bedachten, klugen Äußerungen in die Medien. Aktuell äußert er sich bei Spiegel online zu dem Gemäkel in den Feuilletons der Süddeutschen und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, es gebe zuviel [...] Weiterlesen – ‘Khuon zum Subventionsgemäkel’.
Eigentlich ist theater-tv.com eine gute Idee. Die Videos sind, wie die gesamte Seite, gut gemacht. Eine Produktion, von der ich viel schlechtes gehört habe, schien mir vom Film her zu urteilen durchaus einen Besuch wert. Das spricht zumindest aus Theatermarketing-Sicht für grundsätzlichen Sinn und Zweck des Portals. Den Anspruch »Kulturinfos in einer neuen Dimension« löst [...] Weiterlesen – ‘Eindimensional’.
»Wir verehren Altes, nur weil es alt ist.« ist eine zentrale These eines Essays aus der Zeit vom 3.1.08 (Siehe auch Kulturmanagement-Blog und Kulturblog.ch). Warum das Berliner Stadtschloss originalgetreu wieder aufgebaut werden soll, gar nicht mal nur konserviert, sondern komplett neu wieder aufgebaut, das verstehe ich tatsächlich auch nicht. Aber ansonsten glaube ich doch eher, [...] Weiterlesen – ‘Ausweg aus dem Museum?’.
Da ich fand, dass es mal wieder Zeit ist für eine neue Folge in der Reihe »Fünf mal…« ist, hier und heute fünf hörenswerte Opern. Norma mochte schon Wagner, was erstaunlich ist, weil er ja normalerweise kein gutes Haar an der italienischen Oper ließ. Und Norma ist durch und durch italienische Oper: Liebe, Eifersucht, Tod [...] Weiterlesen – ‘Fünf Mal Oper’.
In der aktuellen Neon gibt es ein Interview mit jungen Theatermachern. Unter anderem wird dort der Trend angesprochen, dass junge Leute offenbar lieber brav inszenierte Klassiker als deren ausgeflippte Neu- und Umdeutungen sehen: »Vielleicht wollen die Leute gar nicht wissen, was Hamlet einem heute zu sagen hat. Vielleicht wollen sie Hamlet einfach nur mal sehen.« [...] Weiterlesen – ‘Braver Hamlet’.
Das (Musik-)Theater Bremen ist von den Kritikern der Opernwelt zur Oper des Jahres 2007 gewählt worden. Zusammen mit der Komischen Oper Berlin. Allerdings war wohl weniger die künstlerische Qualität der letzten Saison ausschlaggebend, als viel mehr die schwierigen kulturpolitischen Bedingungen, unter denen Intendant Pierwoß 13 Jahre lang zu leiden hatte. In den Laudatios zu seinem [...] Weiterlesen – ‘Auszeichnung für Ruth-Berghaus-Look-And-Feel’.
Ist doch immer wieder schön, wenn einer so auf die Kacke haut. Die Formulierung: »Da kommt ihr nicht mehr raus, ihr könnt dann nur noch länger wichsen.« bringt das wesentliche Problem des derzeitigen Innovationsverständnisses am Theater auf den Punkt. Aber die Gegenbewegung scheint sich immer mehr als Trend zu etablieren, wenn mittlerweile auch Peymann mit [...] Weiterlesen – ‘Blitzmerker’.
Nachdem ich neulich die E-Book-Fassung von Filmpreis für Wagner entdeckt habe, habe ich es mir auch prompt gekauft. Es ist wirklich interessant. Schulz denkt den schon häufiger geäußerten Gedanken, dass Wagners Musiktheater eine erstaunliche Nähe zum Film hat, konsequent zu Ende und plädiert dafür, seine Opern zukünftig lieber im Kino, am besten im 3D-Kino, aufzuführen. [...] Weiterlesen – ‘Filmpreis für Wagner’.
Heute gab (und gibt es noch) Wagners Ring auf 3sat. Nonstop von morgens um 9 bis Mitternacht. Und zwar in den vielgerühmten Stuttgarter Inszenierungen von Joachim Schlömer (Das Rheingold), Christof Nel (Die Walküre), Jossi Wieler/Sergio Morabito (Siegfried) und Peter Konwitschny (Götterdämmerung). Ich habe mich bei der Walküre reingeschaltet und es seitdem nebenbei immer mal wieder [...] Weiterlesen – ‘Wagner satt’.
In der Zeit gibt es gerade eine interessantes Interview mit der Sängerin Vesselina Kasarova. Zum einen beschreibt sie sehr eindrücklich den unglaublichen psychischen Druck, dem insbesondere Sänger, aber eigentlich aufführende Künstler insgesamt, ausgesetzt sind. Der ist wirklich beträchtlich. In der Champions League, in der Kasarova spielt, sicher besonders, aber grundsätzlich ist das an all den [...] Weiterlesen – ‘Psychologie des Theaters’.
Im aktuellen Crescendo schreibt Katharina Wagner über das Gute, Schöne, Hehre – in ziemlich geschwurgeltem Stil, damit jeder merkt, dass sie auch studiert hat. Ein schönes Schwurgelbeispiel ist, wo sie schreibt, dass ihr beim Schluss vom Rheingold »leicht und regenbogenbunt« ums Herz wird und von »Frühlingsfrische und Riesenwaschkraft« schwadroniert. Ja, und der Regisseur, der die [...] Weiterlesen – ‘Das Gute, Schöne, Hehre’.
Gestern waren wir in Tristan und Isolde im Bremer Theater. Beim Blättern im Programmheft vor Beginn der Oper fiel mir ein Wagner-Zitat ins Auge, in dem es heißt: »nur mittelmäßige Aufführungen können mich retten!« Mich überkam da schon die Befürchtung, das könne als vorweggenommene Entschuldigung für die Inszenierung gemeint sein. Aber so schlimm war es [...] Weiterlesen – ‘Ins Innere der Figuren verlegt’.
Christian Henner-Fehrs beschreibt in der Fortsetzung zur Diskussion Theater 2.0 über ein Londoner Theater, das mit Clips auf Youtube wirbt. Eine eigentlich naheliegende Idee. Und es ist auch nicht so, dass es keine deutschen Theaterhäuser gäbe, die kleine Werbe-Clips produzieren. Auf der Seite der Berliner Staatsoper habe ich mal ein Interview mit Barenboim zu einer [...] Weiterlesen – ‘theater@youtube’.
Zum Start meines Wochenendes in Essen habe ich die Oper »getestet«, die ja laut Feuilleton mittlerweile auf den UEFA-Cup-Plätzen der deutschen Opernliga mitspielt. Gestern gab es die Derniere von »Die Nase«, einer Oper von Schostakowitsch nach einer Erzählung von Gogol. Die Story ist ziemlich gaga, die Musik grell, schrill und meistens ziemlich laut. Sie klingt [...] Weiterlesen – ‘Operntest Essen’.
Gestern war ich das erste Mal seit ziemlich genau 11 Monaten wieder in Oldenburg im Theater. Aber es kam mir vor, als sei es erst vorgestern gewesen. Das klingt natürlich furchtbar floskelig, aber es war wirklich so. Alles ganz vertraut und so. Obwohl natürlich auch einiges anders ist mittlerweile, überall z.B. große grüne “Os” in [...] Weiterlesen – ‘Moskau Tscherjomuschki’.
Hat man den gerade zu vorgerückter Stunde auf irgendeiner Premierenfeier vor die Kamera gezerrt? Offenes Hemd, geschätzte 1,8 Promille… Ich sach nur: »Maria Schtuart«. Oder ist es etwa auch hier EPO? (Hahaha!) Naja, seine Polemik gegen das sog. Regietheater ist auf jeden Fall sehr witzig. Von wegen Kindergeburtstag und Kleckereien auf nackten Ärschen usw. Dank [...] Weiterlesen – ‘Kleckereien auf nackten Ärschen’.
Sören Fenner von theaterjobs.de fragt sich, warum die Theater das sog. Web 2.0 noch nicht für sich entdeckt haben. Das ist allerdings die Frage, die ich mir ja auch schon gestellt habe! Ich meine, es liegt daran, dass Theater die Kommunikation auf gleicher Augenhöhe mit ihrem Gegenüber (noch) nicht beherrschen. Näheres dazu in meinem Kommentar [...] Weiterlesen – ‘Theater 2.0’.
Die Zeit berichtet in der aktuellen Ausgabe über die Macher der Documenta XII. Ich habe nicht nur aufgehorcht, weil mir der Name Roger Buergel noch aus Lüneburg bekannt vorkam, wo er den Kunstraum mit aufgezogen hat, sondern auch, weil er und seine Frau als Documenta-Macher einige interessante Ideen haben. Zum einen ist es erfrischend, dass [...] Weiterlesen – ‘Ende der Einwegkommunikation’.
Vergangenen Samstag bekam die Zürcher Oper eine zweite Chance. Es gab Parsifal, Inszenierung Hans Hollmann, von dem ich noch nie was gehört hatte, musikalische Leitung Bernard Haitink, den ich endlich einmal hören wollte. Auch wenn die Inszenierung sehr abstrakt war, hat sie mir unterm Strich doch ganz gut gefallen. Erstaunlich war nämlich, dass die sakralen [...] Weiterlesen – ‘Erstaunlich sakral’.
Bin gerade durch Zufall auf einen interessanten Artikel gestoßen, der fragt, wem eigentlich die Oper gehört. Es knüpft zwar nicht ganz direkt dort an, aber ich frage mich schon seit längerem, ob das Web 2.0-Prinzip nicht geeignet ist, die altehrwürdige Kulturszene ordentlich aufzumischen. Zum einen, weil das Web 2.0 solche bzw. ähnliche Möglichkeiten zur Teilhabe [...] Weiterlesen – ‘Oper 2.0’.
Um hier die Reihe meiner Opernkommentare fortzusetzen, ein kleiner Bericht aus dem Berner Stadttheater, wo ich vorgestern Le Nozze di Figaro sah. Die Vorstellung begann damit, dass kreischende Choristinnen Flugblätter aus den Rängen ins Parkett warfen, auf denen die Abschaffung des Rechts der ersten Nacht gefordert wurde. Aus dieser Forderung ergeben sich nämlich die zahlreichen [...] Weiterlesen – ‘Wink mit dem Lattenzaun’.
In der Februar/März-Ausgabe von crescendo gibt es einen Bericht über das neue Marketingkonzept der Frankfurter Oper, das McKinsey-Berater über »mehrere Monate« mit Mitarbeitern der Oper entwickelt haben. Natürlich ist es recht opportun, ins McKinsey-Bashing einzustimmen, aber nach dem Bericht zu urteilen, sind die Beratungsergebnisse doch erstaunlich konventionell. Laut dem Artikel empfahlen die Berater der Oper [...] Weiterlesen – ‘McKinsey im Theater’.
In Zürich sieht man allerdings auch keine bessere Oper als in Bremen. War dort vorgestern in der Zauberflöte, in einer Inszenierung von Martin Kusej, dirigiert vom Godfather unter den lebenden Mozartdirigenten: Nikolaus Harnoncourt. Die Regie fußte auf der mittlerweile nicht mehr neuen und ohnehin recht müßigen Frage, ob nicht eigentlich Sarastro der Böse ist und [...] Weiterlesen – ‘Huere grusig’.
Ich mag Bremen ja, fühle mich hier zu Hause und leide mittlerweile schon mit Werder mit, weil sie gerade den Anschluss in Sachen Meisterschaft verpassen. Aber gute Oper kann man hier nicht sehen. Zuletzt musste ich das in Pelleas et Melisande feststellen. Eine Inszenierung von Konstanze Lauterbach, einer Schauspielregisseurin, deren Herangehensweise von wenig Gespür für [...] Weiterlesen – ‘Pelleas in Bremen’.