Best Practice II: Bayerische Philharmonie

Die lebhafte Diskussion zu Armin Kleins »Der exzellente Kulturbetrieb« veranlasste mich zu der Behauptung, ich würde keine Kultureinrichtungen kennen, die so schlecht arbeiten würden, wie Klein es in seinem Buch als allgemeines Niveau suggeriert. Ich muss gestehen, dass mir mittlerweile doch zwei bis drei eingefallen sind, die wirklich ziemlich unprofessionell arbeiten. Trotzdem scheinen mir diese Negativ-Beispiele lange nicht so repräsentativ, wie Klein nahelegt und wie es auch in der Diskussion über das Buch immer wieder behauptet wurde. Deswegen habe ich mir vorgenommen, ab und an über Kultureinrichtungen zu schreiben, in denen mit klarem Ziel vor Augen etwas bewegt wird, wo neue Konzepte erprobt werden, neue oder gute alte Ideen Wirklichkeit geworden sind und die die unvergleichliche Vielfalt, Leistungsfähigkeit und vor allem auch Breitenwirkung des deutschen Kulturlebens veranschaulichen.

Ein Beispiel für solch eine ambitionierte Kultureinrichtung mit anspruchsvollem, stimmigem Konzept ist die Bayerische Philharmonie. Der Verein bietet ein umfassendes Angebot von der Vermittlung der Grundlagen des symphonischen Musizierens in der Kinderphilharmonie über Kammermusikkurse mit Solisten der drei großen Münchner Orchester und Professoren bis hin zu Orchesterakademien mit Dirigenten wie Sir Colin Davis, Zubin Mehta oder Esa-Pekka Salonen. Wer Profi-Musiker werden will, kann also seine gesamte Ausbildungszeit über in der Bayerischen Philharmoine Ensembleerfahrung sammeln: mit neun Jahren in die Kinderphilharmonie München, mit 14 ins Münchner Jugendorchester, mit 19 oder 20 in die Junge Münchner Philharmonie bis er oder sie dann mit 26 oder 27 eine Stelle in einem Profi-Orchester antritt, Lehrer wird oder was auch immer.

Aufgebaut hat das der Dirigent Mark Mast, der 1994 die Leitung des Münchner Jugendorchesters übernahm, damit aber nicht ganz ausgelastet war und das Programm in der oben beschriebenen Weise erweiterte, nebenbei aber auch noch Intendant des Schwarzwald Musikfestivals und der Sergiu Celibidache-Stiftung ist. Ein Kulturunternehmer also, wie ihn Armin Klein sich nicht besser hätte ausdenken können. ;-)

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Lieber Elbe statt Starnberger See

Vor einiger Zeit schrieb ich über einen ZEIT-Artikel, in dem das Hamburger und Münchner Kulturleben miteinander verglichen wurde - aus Münchner Sicht. Jetzt gibt es, ebenfalls in der ZEIT, eine wirklich brilliant geschriebene, sehr amüsante Antwort aus Sicht eines Hamburgers. Fazit: lieber vom Elbwind durchpusten lassen als fett werden und im seichten Wasser des Starnberger Sees ertrinken. Allerdings, kann man da nur sagen!

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Kultur in Hamburg und München

Kunst und Kultur in Hamburg gibt es als Rechenaufgabe oder Predigt, sagt Harriet Köhler in einem Artikel in der Zeit. Während in der Residenzstadt Münchner kunstbeflissene Herrscher eine reichhaltige kulturelle Infrastruktur geschaffen haben, war Kultur in Hamburg immer Sache engagierter Bürger, die in Sachen Finanzkraft und Einfluss mit größenwahnsinnigen Königen natürlich nicht mithalten konnten.

Zur Musik wird in dem Artikel nichts gesagt, was aber nicht daran liegen kann, dass es dessen Tenor widersprechen würde. Während die Bayerische Staatsoper in der Champions League der internationalen Opernhäuser spielt, bewegt sich die Hamburgische Staatsoper auf einem mittleren Bundesliga-Tabellenplatz. Und auch das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks spielt in einer anderen Preisklasse als das sicher nicht schlechte NDR-Sinfonieorchester. Ein Hamburger Pendant zu den Münchner Philharmonikern gibt es gar nicht erst. Daran wird auch die Elbphilharmonie nichts ändern, obwohl sie sicher eine bessere Akustik haben wird als der Gasteig.

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