Deutsche Orchester mischen ganz oben mit (Best practice IV)

Einmal im Jahr macht die Zeitschrift Gramophone eine Kritikerumfrage, um die besten Orchester der Welt zu ermitteln. Beim diesjährigen Ranking kommen drei der Top10-Orchester aus Deutschland, gleich viele wie aus den USA. Die Berliner Phllharmoniker kommen dabei auf Platz 2, von dem sie die Wiener Philharmoniker verdrängt haben. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erreicht Platz 6 und die Sächsische Staatskapelle Dresden Platz 10. Gewonnen hat, wie schon im letzten Jahr, das Concertgebouworkest Amsterdam. Was immer von solchen Rankings zu halten ist: das deutsche Ergebnis kann sich sehen lassen.

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Orchesterkino

Nach den Erfolgen von Rhythm Is It und Trip to Asia scheinen Orchesterfilme Konjunktur zu haben. Heute hat der Film The Promise of Music beim Beethovenfest in Bonn Europapremiere. Es geht darin um die Vorbereitungen des Simon Bolivar Youth Orchestras unter Leitung von Gustavo Dudamel auf ein Konzert beim Beethovenfest 2007.

Im Oktober folgt dann ein weiterer Orchesterfilm: Eroica - Kent Nagano dirigiert Monumente der Klassik. Termine und Kinos findet man in diesem PDF. Der Film, dem weitere fünf folgen sollen, besteht aus einem Konzertmitschnitt, einem Dokumentarteil der das Orchester und den Dirigenten bei der Arbeit zeigt sowie Trickfilmsequenzen über den jeweiligen Komponisten enthält.

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Beethoven groovt

Ich finde es sehr traurig, dass es eine Barriere gibt zwischen der klassischen Musik und dem, was junge Leute hören.

klagt Paavo Järvi, Chefdirigent des HR-Sinfonieorchesters, und hat deswegen das Music Discovery Project ins Leben gerufen. Ich persönlich vermute zwar, dass die Barriere z.B. zwischen Techno und Heavy Metal sehr viel größer ist als die zwischen Klassik und Pop, aber das soll hier mal dahingestellt bleiben.

Järvi jedenfalls hat im Rahmen dieses Music Discovery Projects mit dem Musikproduzenten Mousse T. zusammen ein Programm konzipiert mit dem Titel A Taste of Beethovens 5th. Dieser Titel trifft es recht gut. Ich finde, diese Stücke mit den Beethoven-Samples sind originell und gut gemacht. Auch die Idee, das ganze um nicht-musikalische »Performances« zu (Tanz, Video) erweitern, ist nicht schlecht. Auf jeden Fall macht es Spaß, sich die Aufzeichnung des Konzerts anzugucken. Damit ist ja schonmal viel gewonnen.

Mir ist allerdings die musikpädagogische Strategie nicht so ganz deutlich. Möchte man auf diese Weise mittelfristig dahin kommen, dass Mousse T.-Fans in ganz normale Sinfoniekonzerte gehen, wo Beethoven dann nicht mehr so groovt? Ich bezweifle, dass dieser Plan aufgeht. Oder reicht es dem Orchester, junge Leute zu erreichen, indem es Klassik-Versatzstücke zu Musik beisteuert, die diese eigentlich hören wollen? Das kann auch nicht der Anspruch eines Kulturorchesters sein.

Nachtrag, 18.2.: In der FR gab es heute eine Besprechung zu dem Event mit etwa gleichen Erkenntnissen.

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