4.9.08 um 17:17h | CH | In Glosse, Musik | 3 Kommentare
Nachdem ich neulich die schönsten Mozart-Hass-Zitate gesucht habe, setze ich diese kleine Reihe nun mit Hass-Zitaten zu Wagner fort. Während sich bei Mozart ja eigentlich alle einig sind, was er doch für ein Genie war, scheiden sich an Wagner von jeher die Geister, was die Suche ungleich ergiebiger macht. Allein ein nicht unbeträchlicher Anteil von Nietzsches Werk besteht aus Hasstiraden auf Wagner. Wer sich damit ausführlich beschäftigen mag, findet Lesestoff auf nietzsche.tv.
Ich liebe Wagners Musik mehr als die irgendeines anderen Komponisten. Sie ist so laut, daß man die ganze Zeit reden kann, ohne daß die anderen Leute hören, was man sagt. - Oscar Wilde
Ist Wagner überhaupt ein Mensch? Ist er nicht eher eine Krankheit? - Friedrich Nietzsche
Man macht heute nur Geld mit kranker Musik; unsre grossen Theater leben von Wagner. - Friedrich Nietzsche
Der Tonfall eines jeden Films aber ist der der Hexe, die den Kleinen, die sie verzaubern oder fressen will, die Speise verabreicht mit dem schauerlichen Murmeln: »Gut Süppchen, schmeckt das Süppchen? Wohl soll dir’s bekommen, wohl bekommen.« In Kunst hat diesen Küchenfeuerzauber Wagner erfunden, dessen sprachliche Intimitäten und musikalische Gewürze immerzu sich selber abschmecken (…). - Theodor W. Adorno
Ich kann nicht so viel Musik von Wagner anhören. Ich hätte sonst den Drang, Polen zu erobern. - Woody Allen
Das war zum Appetitmachen. Jetzt seid ihr dran!
Stichwörter: Wagner, Zitate
25.8.08 um 22:40h | CH | In Musik | 4 Kommentare
Eigentlich schien es, als sei Nike Wagner im Rennen um die Nachfolge von Wolfgang Wagner bereits klar abgehängt, nachdem Eva Wagner-Pasquier nach zunächst gemeinsamer Bewerbung mit Nike zur Feindin Katharina übergelaufen war und mit der ein Konzept eingereicht hatte. Nikes kürzlich gemachte Äußerung, sie werde bei der Bewerbung weiter dran bleiben, klang daher eher nach verbittertem Trotz als nach einer realistischen Chance. Jetzt zaubert sie mit Gérard Mortier einen Partner als Trumpf aus dem Ärmel, der stechen dürfte, wenn der Stiftungsrat auf Basis der fachlich-künstlerischen Kompetenz über Wolfgang Wagners Nachfolge entscheiden sollte.
Die FAZ hat das wirklich bühnenreife Ränkespiel heute ausführlich geschildert und kommentiert:
Julia Spinola jubelt über die Bewerbung Mortiers und Patrick Bahners kommentiert die neue Konstellation. In einem kurzen Abriss wird die einzigartige Geschichte des Familienunternehmens Bayreuther Festspiele nachgezeichnet. Und zuletzt gab es noch die Befürchtung, dass Wolfgang Wagner angesichts der neuen Situation einen Rücktritt vom Rücktritt macht.
Stichwörter: Bayreuther Festspiele, Mortier, Wagner
9.8.08 um 23:34h | CH | In Kulturarbeit, Musik, Theater | 2 Kommentare
Die FAZ hat kürzlich die Konzepte für die Bayreuther Festspiele von den Bewerberinnenduos Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sowie Nike Wagner und Eva Wagner-Pasquier abgedruckt.
Im Vergleich zu Elke Heidenreichs ebenfalls in der FAZ veröffentlichten Bayreuther Vision sind beide Bewerbungen relativ brav, sogar verzagt - Nikes Konzept mit einem geplanten Vorfestival zu Pfingsten unwesentlich innovativer. In den wesentlichen Punkten stimmen die Konzepte jedoch überein:
- Die Festspiele sollen wieder maßstabsetzend in der Auseinandersetzung mit Wagners Musikdramen werden.
- Auch in Zukunft sollen sich die Festspiele Wagners 10 Hauptwerken widmen, evtl. auch mal die Frühwerke mit aufnehmen, zumindest den »Rienzi«.
- Die Wichtigkeit der Nachwuchsförderung wird betont und soll durch eine Festspielakademie (Katharina und Eva) bzw. Meisterklassenkurse (Nike und Eva) gewährleistet werden.
- Zukünftig sollen mehr und jüngere Menschen erreicht werden und zwar mittles medialer Expansion, d.h. mehr DVD-Veröffentlichungen, Public Viewing, Liveübertragungen in Kinos etc.
- Die Finanzierung soll zukünftig über Sponsoren und die ton- und bildkonservenmäßige Ausbeute gestützt werden.
In der Tendenz geht es Katharina und Eva schwerpunktmäßig darum, die Öffentlichkeitsarbeit auszubauen und zu professionalisieren, Nike und Eva hingegen darum, eine stimmige dramaturgische Linie in die Festspiele hineinzubringen.
Mein Fazit ist trotzdem: Egal, ob Wolfgang, Eva, Nike oder Katharina – der Unterschied ist kaum größer als beim Nachnamen.
Stichwörter: Bayreuther Festspiele, Festspielleitung, Wagner
12.5.08 um 19:45h | CH | In Literatur, Theater | 2 Kommentare
Ob das so eine tolle Idee ist? Das Theater Heilbronn zeigt Wagners Ring als Schauspiel in einer Textfassung von Almut Fischer und K.D.Schmidt. Das ist insofern keine schlechte Idee, als Wagner als Dichter überhaupt nicht ernst genommen wird. Erst Dieter Borchmeyer fing an, mit diesem Vorurteil aufzuräumen, als er sein Buch »Das Theater Wagners« mit der erstaunlichen Erkenntnis eröffnete:
Es läßt sich nicht bezweifeln: das Werk Wagners ist der wirkungsmächtigste Beitrag des deutschen 19. Jahrhunderts zur Weltliteratur.
Borchmeyer ist aber Literaturwissenschaftler. Dass sich ausgerechnet Theaterleute als Fürsprecher für die Qualität der Wagnerschen Dichtkunst profilieren wollen, strapaziert meine Vorstellungskraft erheblich. Aber wer weiß? Wenn es schon Wagners Ring ohne Worte
gibt, warum soll es dann nicht auch Wagners Ring ohne Musik geben?
Stichwörter: Borchmeyer, Theater Heilbronn, Wagner
1.5.08 um 18:51h | CH | In Musik, Theater | Keine Kommentare
Jetzt ist es amtlich: Wolfgang Wagner tritt noch in diesem Jahr als Leiter der Bayreuther Festspiele ab. Ich belasse es hier bei einer kleinen Zusammenstellung der interessantesten Links:
Wagners Rücktrittsschreiben
Sehr guter Hintergrundbericht von Julia Spinola in der FAZ. Vor allem interessant, dass es keinerlei Verpflichtung der Findungskommission gibt, die beiden Wolfgang-Töchter tatsächlich zu inthronisieren. Vielleicht steht der dramaturgische Höhepunkt in dieser Sache noch aus…?
Claus Peymann haut wieder einmal auf die Kacke und meint, der beste Opernregisseur solle anstatt der Wagner-Töchter auf den Leitungsposten, seiner Meinung scheint das Jürgen Flimm zu sein. Flimm hatte 2002 einen Ring in Bayreuth inszeniert, der Peymanns Einschätzung allerdings nicht stützt.
Angesichts der komplizierten Familienverhältnisse hat die SZ einen Stammbaum erstellt. Die 1867 geborene Tochter Richard Wagners Eva scheint demnach immer noch zu leben.
Stichwörter: Bayreuther Festspiele, Links, Wagner
18.3.08 um 7:50h | CH | In Film / TV | 2 Kommentare
In Vorbereitung auf einen Workshop beschäftige ich mich gerade mit dem Rheingold, dem Vorabend zu Wagners Ring des Nibelungen. Gerade sah ich dazu den Rheingold-Film, den Karajan 1978 gedreht hat und der jetzt auf DVD wiederveröffentlicht wird. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man noch lange keine Aufführung in Wagners Sinne hat, wenn die Kostüme und Bühnenbild in etwa so aussehen wie damals in Wagners eigenen Inszenierungen. Gelungen sind nämlich lediglich die Verwandlungsszenen zur dritten und vierten Szene und und die, in der der unsichtbare Alberich die Nibelungen durch Nibelheim scheucht. Denn die sind filmmäßig konzipiert und lassen sich im Film deswegen so realisieren, wie es im Theater niemals möglich wäre, zumindest nicht, solange der Requisiteur keinen echten Tarnhelm auftreibt. Den ganzen Beitrag lesen »
Stichwörter: Karajan, Rheingold, Wagner